Grundsätze
Das Corps Borussia ist eine Vereinigung von Studenten mit dem Ziel, seine Mitglieder in aufrichtiger Freundschaft auf Lebenszeit zu verbinden und sie - ohne Beeinflussung ihrer politischen, religiösen und wissenschaftlichen Richtung - zu charakterfesten und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten heranzubilden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist unser Corps von folgenden Grundsätzen geprägt:
Lebensbund
Das Corps bietet seinen Mitgliedern eine lebenslange Heimat. Grundlage für die Verbundenheit und Freundschaft zwischen Jung und Alt sind die gemeinsamen Ziele. Die im Beruf stehenden Alten Herren ermöglichen durch ihre Beiträge das Zusammenleben der Aktiven. Ältere Studenten und beruflich erfahrene Alte Herren stehen den jüngeren Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite. Das Corpshaus ist der zentrale Ort für Zusammenkünfte und gemeinsame Unternehmungen.
Bekenntnis zur Demokratie
Das Corps bejaht das Grundgesetz als Grundlage unserer staatlichen Ordnung. Es ist überparteilich und unabhängig. Es verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft und politischer Ansichten. Die Mitglieder des Corps sollen bereit und fähig sein, das öffentliche Leben in Beruf, Gesellschaft und Politik mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen. Das Corps verwirklicht seit seiner Gründung demokratische Grundsätze durch seine innere Verfassung (Konventprinzip) und Toleranz.
Konventprinzip
Die Konvente und Versammlungen dienen der Beratung und Beschlussfassung in gemeinsamen Angelegenheiten des Corps. Alle Stimmen sind gleichwertig. Stimmrecht bedeutet Stimmpflicht. Stimmrechte können nicht übertragen werden. Es ist nicht zulässig, seine Stimme fernmündlich oder schriftlich abzugeben. Die gefassten Beschlüsse werden von allen Mitgliedern getragen und vertreten. Die Aktiven haben ihren eigenen Konvent, an dem Alte Herren zwar teilnehmen dürfen, in dem sie aber kein Stimmrecht haben. Damit ist die Eigenständigkeit der Aktiven sichergestellt. In diesem Konvent stimmen jüngere Mitglieder vor älteren ab. Dies fördert die eigene und unbeeinflusste Meinungsbildung. Das Verhalten der Corpsbrüder untereinander ist durch Ehrlichkeit und Vertrauen geprägt. Das gilt insbesondere für Aussagen und Abstimmungen in den Konventen und Versammlungen. Der Konvent soll die Fähigkeit des Einzelnen fördern, Kritik zu äußern, anzunehmen und zu verarbeiten. Der Konvent hat die Aufgabe, Probleme des Einzelnen im Studium zu erkennen und - soweit nötig - Hilfestellung zu geben. Die Mitglieder werden durch die Übernahme von Ämtern in die Verantwortung genommen. Sie lernen so, als gewählte Vertreter in einer Gemeinschaft aufzutreten und nach außen für die Gemeinschaft zu handeln. Der Konvent beurteilt und bestraft Fehlverhalten des Einzelnen im Rahmen der Satzung.
Toleranz
Grundregel für unser Zusammenleben ist, auf die politischen, religiösen und weltanschaulichen Ansichten anderer keinen Einfluss zu nehmen und sie im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung zu achten. Das Corps nimmt daher Studenten unabhängig von ihren politischen, wissenschaftlichen und religiösen Auffassungen und ohne Rücksicht ihrer nationalen und sozialen Herkunft auf.
Leistungsprinzip
Das Corps verlangt von seinen Mitgliedern Leistung im Studium, im Beruf und im Leben. Es hilft jungen Corpsbrüdern insbesondere durch Seminare und Vortragsreihen, das Studium sinnvoll zu gestalten, um später im Beruf und im Leben erfolgreich zu sein.
Mensur
Die Bestimmungsmensur ist eines der gestaltenden Elemente unseres Corps. Das akademische Fechten unterscheidet sich vom Sportfechten. Ziel der insgesamt drei Mensuren ist es, dass sich der Paukant in einer Grenzsituation selbst erfährt, indem er sich der schwierigen Aufgabe stellt und sie emotional und intellektuell zu beherrschen lernt. Der Paukant weicht dabei - anders als beim Sportfechten - einem Hieb nicht aus, sondern pariert ihn mit fechterischen Mitteln. Die Bestimmungsmensur wirkt durch die starke Gefühlsanspannung vor und während der Partie persönlichkeitsbildend. Der Paukant erkennt die Notwendigkeit, besondere Situationen im Leben verstandesmäßig zu lösen und zu beherrschen. Er lernt, schwierig zu bewältigende Situationen anzupacken und kalkulierbare Risiken einzugehen. Gleichzeitig werden Mut und Selbstvertrauen gestärkt. Der Paukant ist in der Bestimmungsmensur nicht allein. Er kann sich darauf verlassen, dass er physisch und psychisch von seinen Corpsbrüdern unterstützt wird. Das gemeinsame Erlebnis fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Verbundenheit mit dem Corps. In der Mensur gibt es keinen Sieger. Sie ist für uns kein Mittel der persönlichen oder verbandsinternen Auseinandersetzung. Zur Schlichtung von Streitigkeiten sind ausschließlich die internen und externen Gerichte zuständig. Die Ausbildung erfolgt durch einen staatlich geprüften Fechtmeister. Die Paukanten einer Bestimmungsmensur werden durch erfahrene, vom jeweiligen Konvent der Corps gewählte Vertreter, den sogenannten Zweitchargierten, entsprechend ihren fechterischen Fähigkeiten ausgewählt, sodass nur gleichwertige Paukanten aufeinandertreffen.
Tradition
Tradition ist für uns die Übernahme und Weitergabe unserer gelebten Werte und Grundsätze. Tradition wird nach außen sichtbar gemacht durch Symbole und übernommene Bräuche. Die feierliche Aufnahme in das Corps verdeutlicht, dass eine lebenslange Bindung entstehen soll. Das Band wird als Symbol für Verbundenheit und lebenslange Freundschaft der Corpsbrüder getragen. Viele unserer Traditionen sind historisch gewachsen, sie machen das Erscheinungsbild des Corpsstudenten aus. Sie stehen nicht im Gegensatz zu fortschrittlichen Entwicklungen und sind, weil sie mit Überzeugung gelebt und weiterentwickelt werden, wichtige Elemente erfolgsorientierten modernen Denkens. Neben den Traditionen, die mit Werten und Zielen verknüpft sind, stehen die corpsstudentischen Bräuche. Es sind dies überkommene Handlungsweisen, die zum äußeren Bild des Corpsstudenten gehören, die aber ohne Beeinträchtigung der Ideen des Corps verändert und den jeweiligen Entwicklungen angepasst werden können.